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'Ultralauf-Organisator Ingo Schulze über seine Teilnehmer' – Südwest Presse vom 21.03.2012

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SÜDWEST PRESSE neckar-chronik.de vom 21.03.2012

Das Mittwochs-Interview

Der Nordstetter Ultralauf-Organisator Ingo Schulze über seine Teilnehmer

Ab 19. August treibt Ingo Schulze 55 Läufer und Läuferinnen von Skagen (Dänemark) bis Gibraltar, der Nordstetter organisiert nach 2009 erneut einen TransEuropa-Lauf. Im Interview mit der SÜDWEST PRESSE spricht Schulze über die Teilnehmer, seine Reaktion auf Beleidigungen und einen Läufer, der mal betrunken angekommen sei.

SÜDWEST PRESSE: Herr Schulze, das Teilnehmerfeld für Ihren Trans-Europalauf sei schon seit vergangenem Jahr voll, berichten Sie. Was sind das für Menschen, die 6000 Euro bezahlen, um zwei Monate lang jeden Tag 60 bis 80 Kilometer durch Europa zu laufen?

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„Die machen Urlaub auf ihre Art.“ Ingo Schulze über seine Ultraläufer. Bild: Kuball

Gut, ich habe natürlich auch Wiederholungstäter. Das sind meistens die Leute, die vorher gescholten haben wie die Rohrspatzen – aber die sind dann trotzdem immer wieder da. Ich werde natürlich auch immer wieder gefragt: Arbeiten die Leute nicht? Aber man muss dazu mal sagen: Wenn einer eine Weltreise machen will, dann spart er da drauf, weil das ein Lebenstraum von ihm ist. Für den Läufer ist es eben der Lebenstraum, einmal durch Europa zu laufen. Und dafür investieren sie Zeit, Urlaub, Geld und weiß der Henker was.

Aber es sind immerhin 6000 Euro – für die sie, anders als bei einer Weltreise, sogar noch körperliche Schwerstarbeit verricht müssen. Oder definieren diese Läufer und Läuferinnen das als ihren „Urlaub“?

Ja doch, die machen Urlaub auf ihre Art! Ich bin inzwischen auch schon 64, aber ich habe auch so meine eigenen Vorstellungen von Urlaub.

Und die sind?

Auf jeden Fall nicht in der Matte liegen! Da würde ich unruhig werden, denn ich brauche unbedingt Bewegung.

Sie hören bei Ihren Läufen aber oft Kommentare von Außenstehenden wie „Jetzt kommen die Bekloppten wieder!“ oder „Die sind ja nicht bei Trost!“ Was entgegnen Sie diesen Leuten?

Wissen Sie, ich wurde auch schon gefragt: Ist das gesund, was die Läufer da machen? Da erwidere ich dann: Wenn das gesund wäre, dann würde das auch von der AOK bezahlt werden, und die könnten das auf Krankenschein machen! Meine Gegenfrage ist ja dann auch immer: Ja, wie gesund muss man sein, um so etwas zu machen?

Und wie gesund muss man hierfür sein?

Für einen, der den ganzen Tag mit sich hadert – keiner mag mich, keiner liebt mich, wasweiß ich – für den ist das nichts! Du musst auch psychisch sehr stark sein, um das zu machen.

Als Organisator müssen Sie vielleicht auch psychisch stark sein: Sie bieten für das Startergeld eine Rundumbetreuung an, kümmern sich um Unterkunft und Verpflegung der Läufer und Läuferinnen – Probleme, Kritik und Nörgeleien bleiben da nie aus. Wieviel Geduld bringen Sie da auf?

Ich muss da oft über meinen Schatten springen. Manchmal bin ich schon so weit, dass ich denke: Junge, du machst noch einmal den Mund auf, dann erwürge ich dich! Das ist mir im Vorfeld klar, ich weiß, was auf mich zukommt. Und trotzdem nervt’s mich immer mal wieder, wenn die Leute schimpfen. Ich werde sogar gelegentlich beleidigt, ich sei die größte Pfeife, so einen wie dich habe ich ja noch niemals gesehen und so.

Wie reagieren Sie darauf?

Überhaupt nicht! Ich erwarte nur, wenn wir abends in der Halle sind und alles hat sich beruhigt, dass derjenige mir die Hand beispielsweise kurz auf die Schulter legt, und alles ist erledigt. Er braucht jetzt nicht kommen, „oh, es tut mir leid“ und so – das kann er sich schenken! Und wenn er mich anrempelt und dabei grinst, dann weiß ich auch: Okay, der Mann ist jetzt wieder im Blut!

Haben Sie schon Läufer nach Hause geschickt?

Ja. Einmal hat einer die Sollzeit an dem Tag nicht schaffen können. Ich bin da schon mal tolerant und sage: Ach, heute ist halt nicht sein Tag! Hätte der um kurz nach acht Uhr im Ziel sein sollen und wäre um neun da gewesen, hätte ich zähneknirschend noch gesagt: Na gut, ist in Ordnung. Aber rein rechnerisch wäre der nicht vor zwölf gekommen! Da habe ich dem Betreuer gesagt: Pass auf, du nimmst den aus dem Rennen! Er hat sich geweigert, war stinkig, weil er sein Feierabendbierchen trinken wollte. Da musste ich dann wegen diesem Blödmann noch mal auf die Strecke. Doch der Läufer sagte: Nein, ich laufe weiter! Dann sagte ich: Gut, kannste machen – aber ab sofort gehörst du dem Lauf nicht mehr an! Und habe ihn am nächsten Tag nach Hause geschickt.

Weil er sich Ihren Anordnungen widersetzt hat?

Wenn ich sage „out of race“, dann kann er versuchen, noch mal mit mir zu verhandeln. Aber ich habe ja auch einen Grund, wenn ich das sage. Ich habe zwar noch einen Läuferbeirat, an den kann man sich wenden. Wenn die dann sagen: „Du pass auf, Ingo, lass doch den mal drin!“ Na gut, dann bin ich halt überstimmt. Anders ist das, wenn einer handgreiflich wird – dann braucht man keinen Läuferbeirat, dann ist man ohnehin raus.

Gab es das schon mal?

Nein (schmunzelt). Aber ich habe mal einen Läufer gehabt, das war beim ersten Europalauf 2003, der ist stockbesoffen aus dem Flugzeug gestiegen. Am nächsten Morgen wollte der dann starten. Da sagte ich: Du startest nicht! Er erwiderte darauhin, er sei wieder nüchtern. Ich sagte: Du hast recht, aber gestern hast du mich kaum wiedererkannt. Man hat mir später auch recht gegeben, denn das war einer, der hat dem Alkohol immer wieder zugesprochen.

Bekam er das bezahlte Startgeld zurück?

Für mich ist das eine ganz beschissene Situation: Du weißt, er hat sein Startgeld bezahlt, hat darauf gespart – und jetzt kommst du, sagst ganz brutal: So, du fährst jetzt nach Hause! Leicht fällt mir das nicht. Aber das Startgeld bekam er nicht zurück. Ich empfehle deshalb den Leuten immer eine Rücktrittsversicherung.

21.03.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 21.03.2012 - 20:13 Uhr

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