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megarunners - LäuferInnen mit mindestens 150 Marathons/Ultramarathons
 
 

CHARITY mit fadem Beigeschmack...

„Jeder Lauf ist ein Geschenk!“ – So lautete im April 2004 die Überschrift eines fast 2/3-seitigen Zeitungsinterviews mit mir im Hamburger Abendblatt. (Eigentlich war es ein Radiointerview für NDR 90,3 gewesen.) Damals ahnte ich nicht, wie schmerzlich ich diese Aussage wenige Monate später miterfahren musste, nachdem meine Lebensgefährtin Barbara Szlachetka mit fortgeschrittenem Dickdarmkrebs unter Chemotherapie lief. Jeder Marathon war für sie ein fantastisches Geschenk, ein Tag Urlaub von Krebs und Chemotherapie, ein Tag unbeschwertes Leben.

„Jeder Lauf ist ein Geschenk!“ – So lautet seither mehr denn je mein Lebensmotto.

Laufen ist zweifelsfrei ein wunderschöner Sport, auch wenn leider nicht jeder die gesundheitlichen Möglichkeiten dazu hat. Natürlich ist es da begrüßenswert, wenn sich Läufer bei und mit ihrem Sport für die gesundheitlich weniger gesegneten Mitmenschen einsetzen. Dies kann sehr oft abseits der Öffentlichkeit stattfinden, muss es aber nicht.

So setzte sich das B42-Team mit Unterstützung der Firma Abbott 2009 das Ziel, HIV-Infizierte zum Traumziel Marathon zu führen: Jeweils ein gesunder und ein HIV-infizierter Läufer bildeten ein Team, das gemeinsam den Marathon der World Gay Games 2010 in Köln lief.

Dies geht natürlich auch leiser: So absolvierte ich von Februar 2006 bis Juli 2008 mindestens 47, meist ruhige und langsame Marathons mit einem HIV-infizierten Laufkollegen im AIDS-Stadium IV. Unterwegs beantwortete ich zahlreiche medizinische Fragen, und anhand seiner Laborwerte konnten wir sehen, dass das regelmäßige entspannte Marathonlaufen seinen Blutwerten ausgesprochen gut bekam. (Für 24-Stunden-Läufe, von denen er zwei sehr erfolgreich bestritt, galt dies leider nicht.)

Was mir bei Charity-Aktionen indessen immer wichtig ist und was eigentlich bei jeder Laufunternehmung selbstverständlich sein sollte, egal ob sie sich in den Medien widerspiegelt oder nicht, ist seriöse und sportliche Fairness.

Ich kann nicht verstehen, wieso man eine an sich sehr lobenswerte Initiative wie die „world aids awareness expedition“ von Joachim Franz und ihre Aktion „move the world 2011“ dadurch versucht aufzuwerten, dass man auf seiner Facebook-Seite und in den Medien laufstark ankündigt, an jedem der drei Lauftage vom 19. bis 21.04.2011 rund um die Binnenalster 100 Kilometer laufen zu wollen.

Jeder halbwegs seriöse Läufer weiß, dass 300 km bei einem 72-Stunden-Lauf eine mehr als beachtliche Leistung ist. Hat man dagegen die Laufstrecke um die Binnenalster nicht einmal rund um die Uhr, also volle 72 Stunden, zur Verfügung, sondern muss um 22 Uhr „abrücken“, so ist diese Vorgabe von 100 km täglich nicht realisierbar.

Mir persönlich ist es schleierhaft, warum man nicht einfach 50 oder 60 km täglich ankündigt. Wenn man diese dann sogar übertrifft, ist man auf jeden Fall auf der sicheren und positiven Seite. Warum muss man unbedingt dem SAT1-TV-Team locker-lässig ankündigen, man laufe (bei einer PB von 9.58.46 h im Jahr 1997 bzw. einer 2010er SB von 10.08.37 h) die 100 km rund um die Binnenalster – unterbrochen von PR-Terminen – „so um die 11 Stunden – das kriegen wir hin!“? (*)

Wie zu erwarten war, folgt der Ankündigung nicht die Umsetzung. Ein geschwollener Knöchel, shin-splints, Fußgänger auf der Strecke werden auf Facebook erwähnt, eine Bekanntgabe der tatsächlich gelaufenen Strecke bleibt aus.

Anfragen auf der Pinwand des Läufers werden zunächst wie folgt abgewimmelt: „nur ganz nebenbei bemerkt kein sportlicher wettstreit für irgendwelche statistiken, auch wenn du dies nicht nachvollziehen kannst. am ende zählt ausschließlich die öffentlichkeitsarbeit im kampf gegen hiv/aids und dies solltest du als arzt nun wirklich nachvollziehen können …

Auf meine Nachfrage „… Warum habt ihr nicht täglich 50 oder 60 km angekündigt, etwas was man leicht schaffen und sogar überbieten kann?“ hin wurde ich von seinem Mitstreiter nur persönlich angepöbelt. Kurz darauf waren alle meine Fragen auf der FB-Pinwand gelöscht…

Wenig später erhielt ich die Mitteilung: „Ist doch total scheiß egal, ob jemand 500, oder 0,6 KM am Tag läuft, wenn es darum geht Spendengelder zu sammeln. Hauptsache irgendein Rubel rollt. Wir haben durch diese Aktion mehr als 1000Euro eingelaufen. Und das war es wert. Mehr sollte es auch nie sein. So, und jetzt kümmer dich um deinen Kram

Ich bin nach wie vor nicht der Meinung, dass der Zweck die Mittel heiligt: Ich möchte nicht, dass der Laufsport durch „Hochstapelei“ in Verruf gerät und die Leistungen ehrlicher Sportler, die vielleicht nur 50-60 km täglich ankündigen und die dann übertreffen, nichts mehr wert sind!

(*) – siehe:

http://www.hamburg.1730sat1.de/289.html?&cHash=a286062a74&tx_ttnews%5BbackPid%5D=288&tx_ttnews%5Btt_news%5D=65336

25.4.11 00:45

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